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Wege aus der Lottospielsucht – Interview mit einem Betroffenen

Fast 15 Jahre hat Frank M. (Name von der Red. geändert) jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit ein paar Rubbellose gekauft, jede Woche bei etlichen Lotterien mitgespielt und mit Internet-Sportwetten sein Glück versucht – und dabei viel Bares investiert. Seit drei Monaten ist jetzt Schluss mit dem Lottoleben. Der heute 40-jährige Projektmanager schildert im Interview mit Lottozahlen Newsletter seinen Weg aus der Lottospielsucht.

Herr M., was hat sich in Ihrem Leben verändert, seitdem Sie Rubbellose & Co links liegen lassen?

Bis vor wenigen Monaten stand ich pünktlich um 8 Uhr im Zeitungsladen, um mir fünf bis zehn Rubbellose zu kaufen. Jeden Mittwoch und Freitag habe ich meinen Spielschein für Lotto 6aus49 abgegeben – natürlich inklusive Spiel 77 und Super6. Nach Feierabend habe ich im Internet bei Sportwetten gezockt und von Eurojackpot bis Keno alles mitgenommen. Im Durchschnitt war ich täglich ein bis zwei Stunden mit den sogenannten weichen Glücksspielen beschäftigt. Jetzt ist mein Leben viel ruhiger und ich genieße die Zweisamkeit mit meiner Liebsten.

Woran haben Sie gemerkt, dass der Spielspaß in riskantes Spielverhalten übergeht?

Zuerst waren vor allem die Online-Glücksspiele sehr spannend und unterhaltsam. Ich habe bei Automatenspielen auch oft gewonnen, was den Reiz zusätzlich erhöht hat. Bei den Lotterien 6aus 49 oder Eurojackpot hoffte ich immer auf den großen Treffer, schließlich ist der Spieleinsatz relativ gering, der Jackpot dagegen gigantisch. Rubbellose habe ich sofort aufgerubbelt und häufig gleich weitere Lose gekauft. Gerade die Rubbelkarten haben ein großes Loch in meine Kasse gerissen. Ich merkte, dass ich mich dauernd mit dem Glücksspiel beschäftigte, die Einsätze erhöhte, immer gereizter wurde beim Versuch die Spiele einzuschränken und um Ausreden nicht verlegen war.

Wie hat Ihre Familie auf die Glücksspielproblematik reagiert?

Meine Eltern und Geschwister haben nicht viel davon mitbekommen. Als Projektmanager war ich viel unterwegs und konnte mir meine Zeit selbst einteilen. Insofern war es schlecht möglich, mich zu kontrollieren. Meine Ex-Freundin hat natürlich gemerkt, dass ich ständig meine Zockerrunden im Internet gedreht habe und die Ziehung der Lottozahlen spannender fand als den härtesten Blockbuster. Doch irgendwann habe ich ihr reinen Wein eingeschenkt und meine Familie informiert. Ich wusste, dass ich einen Schlussstrich ziehen muss. Auch wenn es sich um weiche Glücksspiele handelte, war mit klar, dass der Übergang zur Spielsucht schleichend und nicht gleich sichtbar ist. Meine Partnerin hat sich übrigens in der Zeit von mir getrennt. Ihr Argument: „Du bist verantwortungslos und ich kann dir nicht mehr vertrauen“.

Wie haben Sie Ihr problematisches Spielverhalten in den Griff bekommen?

Ich wusste, dass es einen gravierenden Unterschied zwischen harten Glücksspielen wie Roulette in der Spielbank und weichen Glücksspielen wie Lotterien gibt. Ich wollte mir aber nichts vormachen, denn auch Lotto und Rubbellose bergen ein gewisses Suchtpotenzial. Da mein Wille nicht stark genug war, um mein bedenkliches Spielverhalten zu verändern, habe ich zunächst einen Online-Selbsttest gemacht mit Fragen wie „Nutzen Sie die Spiele, damit Sie an Geld kommen?“, „Spielen Sie, wenn Sie in schlechter Stimmung sind?“ „Setzen Sie sich beim Lottospielen ein Limit?“ Das Testergebnis führte mir vor Augen, dass ich bereits über das Ziel hinausgeschossen war. Schließlich habe ich an einem Online-Beratungsprogramm teilgenommen.

Und was genau ist das für ein Beratungsprogramm?

Die Online-Beratung ist ein interaktives Programm für Menschen, die Ihre Spielprobleme gezielt mit professioneller Unterstützung angehen wollen. Ein qualifiziertes Beratungsteam beantwortet Fragen, die im Zusammenhang mit dem Spielverhalten stehen direkt via Chat oder per E-Mail. Das kostenlose Beratungsprogramm läuft über einen Zeitraum von vier Wochen, wobei die Teilnehmer anonym bleiben. Mich hat das Team bei meinem Vorhaben, weder Rubbellose zu kaufen noch bei irgendwelchen Lotterien mitzumachen tatkräftig unterstützt. Detaillierte Informationen bei Spielsucht oder riskantem Spielverhalten bietet auch das BzgA-Beratungstelefon (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung). Interessierte können deutschlandweit kostenlos anrufen, ebenfalls anonym.

Was glauben Sie – sind Lottosüchtige genauso gefährdet wie Spieler im Casino?

Im Gegensatz zu Spielern im Casino verbringen Lottospieler nur begrenzte Zeit in der Annahmestelle, weil nur der Tippschein ausgefüllt werden muss. Ich dachte also, dass das Risiko spielsüchtig zu werden überaus gering ist. Auch den täglichen Kauf von Rubbelkarten hielt ich nicht für gefährlich. Allerdings habe ich schnell gemerkt, dass ich nicht nur lottosüchtig war, sondern auch immer öfter andere Glücksspielarten genutzt habe und dadurch immer mehr die Kontrolle verlor. Ich denke, dass auch Lottospielen bei gefährdeten Personen einer der Auslöser für eine Glücksspielsucht sein kann.

Wie haben Sie die erste Zeit ohne Lotto und Online-Glücksspiele erlebt?

Ich hatte schon mit regelrechten Entzugserscheinungen zu kämpfen. Insbesondere das exzessive Spielen am Computer war bereits zu einem zentralen Teil meines Lebens geworden. Zwar hat mich mein problematisches Spielverhalten nicht in den finanziellen Ruin getrieben, dennoch fiel mir die Abstinenz schwer, was sich mit Unruhe und Gereiztheit äußerte. Durch die Unterstützung der Online-Beratungsstelle habe ich herausgefunden, dass mich die Kommunikationsprobleme mit meiner Ex-Freundin stark belastet haben. Ich vernachlässigte meine Freunde und machte die Glücksspiele mehr und mehr zum meinem Lebensinhalt. Meine jetzige Partnerin unterstützt mich, wo sie kann, und hat viel Verständnis für mein Dilemma. Außerdem gibt es jetzt eine „Ersatzdroge“ in meinem Leben – ich habe mir eine nagelneue BMW R 1200 GS gegönnt.

Sie arbeiten berufsbedingt und in der Freizeit viel am Computer. Befürchten Sie nicht, wieder mit Online-Glücksspielen anzufangen?

Nein, Onlinespiele reizen mich überhaupt nicht mehr und auch den kunterbunten Rubbellosen widerstehe ich mühelos. Das Lottospielen habe ich auch erst mal auf Eis gelegt, denn mir ist bewusst, dass jeder Spieleinsatz, der vom Zufall abhängt, ein Glücksspiel ist. Auch wenn es sich in meinem Fall nicht um pathologische Spielsucht handelt, vermeide ich Spielmöglichkeiten. Ich rate anderen Lotto- und Spiele-Fans, Auffälligkeiten ernst zu nehmen und im Bedarfsfall Hilfe in Anspruch zu nehmen, etwa über Online-Beratungsstellen oder den Fachverband für Glücksspielsucht.

Das Team von Lottozahlen Newsletter bedankt sich herzlich für das offene Gespräch und wünscht Herrn M. alles erdenklich Gute für die Zukunft.

Ein Gedanke zu “Wege aus der Lottospielsucht – Interview mit einem Betroffenen

  1. T.Salzer

    Ich habe schon oft dort mitgespielt, aber ich habe jetzt so meine Zweifel. Zwei Schine gespielt, aber nur für einen den Spielauftrag per E-Mail. Zugegeben, ich habe erst ca. 1,5 h vor Abgabeschluß gespielt, aber die Bestätigung sollte schon da sein.
    Beispiel: ich spiele zwei Scheine, werde irgendwann 20,- € zahlen müssen. Bestätigung habe ich nur für einen Schein, d.h. ein Schein ist in der Schwebe für den Veranstalter. Nach der Ziehung, wenn es eine Niete war, kriege ich bestimmt die Rechnung dafür. War es ein Gewinn, dann kriege ich wohl keine Rechnung, aber erst recht kein Gewinn.
    Diese Möglichkeit muß geprüft werden.

    Ich werde diesen Verdacht auch noch an anderer Stelle offenlegen.

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